Das Ungarische Übersetzerhaus in Balatonfüred empfängt Übersetzer, die ungarische Literatur in ihre Sprache übersetzen. In den zehn Jahren seines Bestehens seit 1998 hatte das Ungarische Übersetzerhaus jährlich 40 - 60 Gäste; es bietet eine anziehende Arbeitsatmosphäre in einem über hundert Jahre alten Bürgerhaus mit sechs Zimmern, einer Bibliothek und einem Seminarraum. Das Haus unterhält Kontakte zu kulturellen Institutionen, Universitäten und Verlagen in Ungarn und im Ausland. Es organisiert Übersetzerseminare für junge, talentierte Übersetzer u.a. aus Frankreich, Spanien, Estland, Kroatien, Finnland, Russland, den Niederlanden und der Slowakei. Das Übersetzerhaus gibt jedes Jahr eine Zeitschrift (Füreder Übersetzer-Hefte – Füredi Forditoi füzetek) und einen Newsletter heraus. Es wird von der Stiftung Ungarisches Übersetzerhaus (Budapest) geleitet und ist Mitglied des RECIT (Réseau Européendes Centres Internationaux de Traducteurs littéreaires).
Balatonfüred liegt am Nordufer des Balaton, umgeben von sanften Bergen. Im 18. Jahrhundert wurde die Kleinstadt mit mediterranem Klima ihrer kohlensäurehaltigen Heilquellen wegen zum Kurort erklärt. Das ließ Balatonfüred vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts zu einem Treffpunkt fortschrittlich gesinnter Politiker, Künstler und des mittleren Adels werden.
Von dieser Zeit zeugen heute zahlreiche Denkmäler, bedeutende Gebäude und einige Traditionen der Stadt: Auf das Jahr 1825 etwa geht der „Anna-Ball” zurück, der damals im "Horváth-Haus" veranstaltet wurde. Das erste Steintheater Transdanubiens konnte durch Spenden einer Abtei und des Volkes 1831 errichtet und von Sándor Kisfaludy eröffnet werden. Und das ungarische "Reformzeitalter" prägt bis heute den historischen unteren Teil der Stadt, in dem sich die "Blaha Lujza Villa" befindet, in der die berühmte ungarische "Primadonna der Jahrhundertwende" 23 Jahre lang ihre Sommerzeit verbracht hat.
An zahlreiche Schriftsteller, Dichter, Künstler und Wissenschaftler, die im Leben des Kurortes eine bedeutende Rolle spielten, erinnern heute Gedenktafeln, die im Füreder Pantheon aufgestellt sind. Und auf den indischen Literaturnobelpreisträger Rabindranath Tagore, der wie viele Herzkranke in einer Klinik am Ufer des Balaton Heilung fand, geht die Benennung der Tagore-Promenade zurück. An ihr liegt der Kurpark mit weiteren Statuen und Gedenkbäumen seiner berühmten Gäste.
Balatonfüred ist darüber hinaus Zentrum der Weinbauregion Balatonfüred-Csopak mit körperreichen, feurigen Weinen mit hohem Alkoholanteil aus Baltonfüred und leichteren, zurückhaltenderen, schlanken Weinen mit reichem, duftigem Bukett aus Csopak.
Zu den zahlreichen Villen und kirchlichen Gebäuden der Kleinstadt, die heute nicht selten für kulturelle Zwecke genutzt werden, gehört auch die nach ihrem früheren Besitzer Gábor Lipták benannte Lipták-Villa, der heutige Sitz des Ungarischen übersetzerhauses. Hier finden viele ausländische Übersetzer ein ruhiges Asyl für zwei bis sechs, sogar acht Wochen. Sie bekommen eines der sechs Arbeitszimmer und können sofort anfangen zu arbeiten. Die Zeit ist hier sehr wertvoll: Denn man kann dreimal so viel leisten wie zu Hause – das erzählt man jedenfalls übereinstimmend, bevor man abreist.
Für ihre Arbeit steht den Übersetzern eine gute Bibliothek mit vielen einsprachigen Wörterbüchern und Lexika zur Verfügung. (Schließlich ist es angenehmer, nur mit dem zu übersetzenden Buch und einer Zahnbürste, statt mit schweren Handbüchern anzureisen.) Und darüber hinaus findet sich in den Bücherregalen nicht selten die nächste Übersetzungsarbeit, ein neuer ungarischer Roman oder Gedichtband, den man seinem Verleger empfehlen möchte. Verfügbar sind neben technischen Mitteln wie einem Internetanschluss in allen Zimmern auch eine gut ausgestattete Küche, in der die Gäste kulinarisch kreativ werden können. Und auch die ungarische Kulturszene wird dem Besucher der Lipták-Villa nicht verschlossen bleiben.
Das übersetzerhaus ist ein Ort, an dem die meisten Gäste aus dem Ausland kommen, aber dennoch alle ungarisch sprechen: Es geht nicht anders, wenn sie ihre beruflichen Erfahrungen austauschen wollen. Und wer gemeinsam mit dem ungarischen Autor, an dessen Text er/sie arbeitet, Übersetzungsprobleme lösen möchte, kann seinen Autor einfach in die Villa einladen. Vielleicht ist vielen Gästen sogar das das Wichtigste, ein paar Wochen in engstem Kontakt mit der ungarischen Kultur, vor allem der interessanten und reichen Literatur leben zu können. Jedes Jahr besuchen 70 bis 80 Übersetzer das Haus, etwas weniger (aber täglich!) unsere Homepage.
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Péter Rácz & Gábor Schein













