Die Stiftung Schloss Leuk hat in den letzten Jahren neben dem Wiederaufbau des mittelalterlichen Schlosses in dem gleichnamigen Ort im Oberwallis eine Vielzahl soziokultureller Projekte initiiert, unter denen der Spycher: Literaturpreis Leuk sicherlich das anspruchsvollste ist. Der Preis, der aus einem fünfjährigen Aufent-haltsrecht für Schriftsteller besteht, zeichnet vorrangig Autoren aus, in deren Werk sich eine gewisse Nähe zu der besonderen grenzgängerischen Situation des Wallis entdecken läßt. Seit der Antike Durchzugsgebiet zwischen Nord- und Südeuropa, gehört das Transitorische zur grundlegenden Erfahrung dieser hochambivalenten Landschaft, deren alpine Geologie zugleich Dauer reklamiert. Zweisprachig, deutsch und französisch, und nah am Italienischen, nämlich via Simplon-Paß zwei Stunden von Mailand und über den St. Bernhard ebenso weit von Turin entfernt, öffnet das Rhonetal sich zum Genfer See. Im Wallis stellt sich die europäische Frage auf greifbarste Weise.
Preisträger des Spycher: Literaturpreises Leuk waren seit 2001: Lukas Bärfuss, Marcel Beyer, Gerhard Falkner, Lawinia Greenlaw, Durs Grünbein, Thomas Hettche, Michael Hofmann, Barbara Honigmann, Felicitas Hoppe, Barbara Köhler, Martin Mosebach, Ulrich Peltzer, Daniel de Roulet, Gilles Rozier, Adam Zagajewski. Für viele Autoren hat die ungewöhnliche Dauer ihres Aufenhaltes eine ganz besondere Beziehung zur Region gestiftet, aber aber auch die Grundidee dieses Preises, in den Mittelpunkt nicht ein festes Haus, sondern ein ganzes Netzwerk von Orten zu stellen, was es ihnen ermöglicht, in ganz unterschiedlichen Sphären wohnen und arbeiten können, im Rhonetal oder auf einer Alp, in dem Walliser Dorf Raron, in dem Rilke begraben liegt, oder mitten in der mittelalterlichen Altstadt Leuks. Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe nennt dies "den schönsten Ort der Welt."
Thomas Hettche
"Dies ist der schönste Ort der Welt!"
Felicitas Hoppe
"Quand James Baldwin a passé l’hiver de 1951-52 à Loèche, il a écrit Go tell it on the mountain, une histoire qui se passait à New York. Mais curieusement, dans ce premier roman de Baldwin, il neige sur Harlem et la glace recouvre Central Park, comme si l’hiver de Loèche s’était invité dans le décor de Manhattan. Quand on écrit à Loèche, on ne peut s’empêcher de regarder par la fenêtre. C’est ce qui m’est arrivé avec le prix Spycher."
Daniel de Roulet
Das ist die Luft, in der man aufzuatmen lernt
Beim Anblick weißer Gipfel, doch es schmerzt
Wie manchmal Weisheitszähne unterm Kiefer.
Ein Wind der Tote weckt… Das Kuhgeläut
Trägt weit hinauf, hinab, der helle Glockenton
Des Kirchleins, schokoladenbraun, am Dorfrand.
Von Bach und Wasserfall geht eine Frische aus,
Die schwindeln macht. Das Seil der Seilbahn führt
Direkt durch deine Magengrube himmelwärts.
Der Mensch verliert sich bald, und so der Tag,
Je höher es hinaufgeht in Geröll und Schnee.
Es ist die Stunde, da die Banken schließen
Im Tal, das Märchengold an Glanz einbüßt.
Die Felswand dunkelt und die Gondeln stehen still.
Durs Grünbein
"Die Berge vor allem: eine Vorstellung von Raum – ganz anders als man sie vom Flach-land bekommt; vielfältig erweiterte Blickwinkel, neue Horizonte, zumal vertikal, und Zeit zu sehen, wie's einer damit ergeht. Und wiederzukommen und zu gehen, ins Tal. Eine Sprache finden, vorfinden, sich zugänglich machen. Und Unzugängliches bewahren, im Sinn."
Barbara Köhler
"Sprache, so erlebe ich es, ist im Wallis zu allererst etwas Bewegliches. Darum vermutlich habe ich bislang nicht zu definieren versucht, in welcher Welt ich mich genau befinde, wenn ich in Leuk bin."
Marcel Beyer
"Gegen Westen hin nimmt das Tal Ausmaße an, die nur noch in Jahrhunderten und in Historie, in grossen Bildern und grossen Geschichten zu fassen sind. Es würde mich nicht überraschen, Pilger auf Eseln zu sehen, Hannibal mit seinen Elefanten, Karl den Grossen und seine Armee oder den Löwen und die Hexe von Narnia, verkrallt in ihren epischen Kampf."
Lavinia Greenlaw
Fotos: © by Stiftung Schloss Leuk













