Maison des écrivains étrangers et des traducteurs

Patrick Deville

1,bd René Coty

BP 94

44602 Saint-Nazaire

Frankreich

Tel. + 33 (0)2 40 66 63 20

Das Haus für ausländische Schriftsteller und Übersetzer Saint-Nazaire (Maison des Écrivains Étrangers et des Traducteurs de Saint-Nazaire : M.E.E.T) heißt Schriftsteller und Übersetzer aus aller Welt in Frankreich willkommen.

M.E.E.T. lädt immer nur einen Schriftsteller oder Übersetzer auf einmal ein. Es weist ihm/ihr ein Stipendium zu und bietet ihm/ihr ein großes Apartment im zehnten Stock des Gebäudes, ein Häuserblock mit Blick über den Hafen Saint-Nazaires und die Schiffswerften des "Chantiers de l’Atlantique" an der Mündung der Loire.

M.E.E.T. organisiert regelmäßig Konferenzen, öffentliche Lesungen und Schriftstellertreffen. Es organisiert und vergibt auch jedes Jahr zwei Literaturpreise: erstens, den Laure Bataillon Preis für das beste fiktive Werk des Jahres, das in französischer Übersetzung vorliegt, und zweitens des Preis der jungen lateinamerikanischen Kultur, ein Entdeckungspreis in Lateinamerika.

M.E.E.T. ist auch ein Verlagshaus: jedes Jahr bringt es mehrere zweisprachige Bücher heraus, und die Literaturzeitschrift "meet".


Leser der französischen Sprache sind der Welt gegenüber einladend und neugierig, wenn auch wahrscheinlich auf weniger polyglotte Weise als der inspirierende Armand Robin. Ihnen ist zu verdanken, dass französische Verleger jahrein jahraus die Hälfte ihrer Produktion als Übersetzungen publizieren. Seit Jahrhunderten hat die französische Literatur sich der Literatur aus weiter Ferne bedient, da sie so bereichert wurde. Daher ist es keine Überraschung, dass eine Einladung, nach Frankreich zu kommen und dort zu schreiben, weltweit Interesse wecken dürfte.

Manche Schriftsteller suchen hier die absolute Einsamkeit, wie Leuchtturmwächter auf der Spitze des Turms, die direkt nach unten über die Schiffe und die erstaunliche Schönheit der atlantischen Hafenlandschaft blicken. Andere schätzen die Möglichkeit, Leser, Schriftsteller und Kritiker zu treffen – hier, in Paris, oder anderswo in Frankreich. Und alle haben die Möglichkeit, oft zum ersten Mal in ihrem Leben eine Probe ihrer Arbeit auf Französisch zu veröffentlichen.

Zehn Jahre vor Erhalt seines Nobelpreises ermöglichte M.E.E.T. es Gao Xingjian, hier seine Stücke und eine zweisprachige Ausgabe seines Werks "Dialoguer/Interloquer" zu schreiben. Als Gallimard das erste Kapitel von Gabriela Adamasteanus Roman "Ein verlorener Morgen" in der sechsten Ausgabe des Magazins meet entdeckte, entschloss sich der Verlag, ihre Werke zu veröffentlichen. Zwanzig Jahre lang hat dieser Ort der Entdeckungen, der einige hundert Werke in seiner Sammlung hat, sein eigenes maritimes und kosmopolitisches Vorhaben: einen Hafen, einen Ruheplatz vor allem Hin und Her zu bieten, und die Botschaften zu sammeln, die von diesem weitläufigen Netzwerk der über ihren Kartentisch gebeugten Schriftsteller auf See hinausgeschickt werden, auf der Suche nach den besten Routen in einen bevorzugten Hafen in der Welt.

"Ich bin jetzt in Frankreich, in Saint-Nazaire", schrieb der kubanische Autor Reinaldo Arenas. "Ich würde einfach gern diesen prächtigen Himmel und diesen Ozean anflehen, dass ich die Möglichkeit bekäme, noch ein paar weitere Tage hier zu sinnen, um meinem Schrecken Schutz zu bieten."

Patrick Deville