»Alle Literatur gründet sich auf eine lange Geschichte europäischer Autoren.«
Das Institut der Künste ist ein Informations-, Ratgeber-, Schulungs- und Schaffenszentrum für die Künste, besonders für die Bereiche Theater, Tanz, Musik, bildende Künste und Literatur.
Es wurde 2005 als unabhängige Abteilung des Theaterinstituts gegründet, das wiederum vom tschechischen Kulturministerium gegründet wurde und finanziert wird.
Die Ziele des Instituts der Künste sind zur öffentlichen Wahrnehmung der Rolle der Künste und ihrer Entwicklung beizutragen, den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den künstlerischen Bereichen zu fördern, nationale sowie regionale Einrichtungen zu informieren und zu beraten. Weiterhin unterstützt das Institut der Künste die Teilnahme tschechischer Personen und Institutionen an internationalen Projekten und Netzwerken, die Präsentation von tschechischer Kunst im Ausland, sowie die Weiterbildung von Künstlern und Kulturvermittlern gerade im Management-Bereich.
Das Institut der Künste unterscheidet sich institutionell von anderen Einrichtungen des Netzwerks HALMA. Unsere Arbeit geht über den Rahmen der Literatur hinaus – das Institut versteht sich als Zentrum für Forschung, Information, Beratung und Produktion im Bereich aller Künste. Mit dem Hauptaugenmerk auf internationaler Zusammenarbeit vermitteln wir wichtige Kontakte und stehen Pate, wenn neue Netzwerke und Koproduktionen ins Leben gerufen werden. Wir bieten außerdem eine Informationsplattform über die Künste in unserem Land, knüpfen so weitere Kontakte und intensivieren die Möglichkeiten für nachhaltige Zusammenarbeit. Darüber hinaus koordinieren wir, als Teil des Strukturplans für internationale Zusammenarbeit, seit über drei Jahren das Programm für Aufenthaltsstipendien ("artists in residency programme"). Dieses Programm zielt zuallererst auf die bildenden Künste und hat bisher Kooperationen mit Organisationen aus der Schweiz, aus Portugal und Mexiko ermöglicht. Da wir uns immer um die Erweiterung unseres Wirkungsfelds bemühen, dehnen wir die Aufenthaltsstipendien auf die Literatur im weiteren Sinne aus (Autoren, Übersetzer, Wissenschaftler). Man könnte uns also als Neulinge bezeichnen, was das spezielle Gebiet (Literatur) angeht; wir sind aber auch "alte Hasen" (aufgrund unserer Erfahrungen mit Aufenthaltsstipendien).
Unser Anschluss an das Netzwerk HALMA ist umso wichtiger, als es, trotz der langen und umfangreichen Tradition der tschechischen Literatur, bei uns gegenwärtig weder ein Literaturhaus noch irgendeine andere Möglichkeit gibt, literarische Aufenthaltsstipendien auszuloben.
Mobilität ist ein Schlüsselbegriff der heutigen Welt. Der Terminus wird derart inflationär gebraucht, dass er beinahe eine sinnentleerte Phrase ist: Warenmobilität, Mobilität von Dienstleistung und Ideen... und natürlich die Mobilität von Menschen, von Künstlern. In vielen Fällen sind das nur leere Worte. Wenn man aber den Rahmen mit Bedacht und Verstand wählt, können Mobilität und Austauschprogramme ausgesprochen sinnvoll sein. Wir sind überzeugt, dass wir vom Institut der Künste solche Aufenthalte anbieten können. Unserem Konzept liegt die Idee zugrunde, die Umstände des Aufenthaltes so zu gestalten, dass der Gast und die gastgebende Organisation, vor allem auch die Gesellschaft, davon gleichermaßen profitieren.
Jeder Stipendiat erhält vor allem ein gegenwärtig sehr wertvolles Gut: Zeit. Wenn man mehrere Dinge gleichzeitig tut, geht das meist zu Lasten der "unnützen" Tätigkeit, unnütz versteht sich in diesem Fall im Hinblick auf den schnellen, konkreten und angemessenen Ertrag. Das gilt besonders für Künstler, deren eigentliche Arbeit sich sehr oft den Anforderungen einer anderen, regulären beruflichen Tätigkeit anpassen muss. Stipendiaten sind sozusagen von zeitlichen und häuslichen Einschränkungen befreit, sie sind ihrer gewohnten Umgebung enthoben; sie können sich auf ihre kreative Arbeit, ihre Forschung, ihre Gedanken konzentrieren... Geist und Gedankenwelt können expandieren, sie können sich wiederfinden, Kooperationen stiften, sich in ihre Forschung vertiefen und neue Perspektiven erschließen, Kommunikation intensivieren, offener aufnehmen, ihr Talent für Respekt und Toleranz fremder Werte schulen, für Ideen und noch vieles mehr. Außerdem können sie Kontakte zu lokalen Schriftstellern knüpfen, zu Verlegern und Universitäten und natürlich zu Leuten außerhalb der Literaturszene.
Auch die Vorbereitung des Programms ist von zentraler Bedeutung für den Erfolg des Aufenthaltes. Es sollte mit dem Autor abgesprochen werden und zwei Ziele verfolgen: neben traditionellen Sehenswürdigkeiten (zum Beispiel Buchläden, Literaturcafés...) stehen Institutionen wie Läden, Betriebe, Schulen, Sportvereine, auch Gefängnisse und Kindergärten auf dem Programm. Wie Kenzaburo Oe sagt, muss die Literatur "das Abbild des gegenwärtigen Zeitalters erschaffen, eines, das Vergangenheit und Zukunft ebenso einschließt, wie das Abbild der Menschen, die in diesem Zeitalter leben". Erst im engen Kontakt mit dem "realen Leben" kommen die offensichtlichen, wenn auch meist unter den Ablagerungen des hektischen Alltags verborgenen Fakten zum Vorschein. Es geht hier also nicht darum, Informationen zu sammeln, sondern um Wissen, um Sachkenntnis und funktionelles Denken.
Mobilität, wechselseitige Besuche, das alles ist keineswegs neu in der Welt der Kunst. Der Blick zurück in die Geschichte der Menschheit zeigt, dass Reisen und die Gastfreundschaft in jedem hochrangigen künstlerischen Kontext von eminenter Bedeutung waren.
Mit den Worten Octavio Paz’ "lauscht" die Literatur "was die Zeit zu sagen hat". Und deshalb sollten literarische Aufenthaltsstipendien eine Mittlerfunktion übernehmen zwischen Literatur und Öffentlichkeit – gerade in der heutigen Zeit, in der man immer weniger liest und die Öffentlichkeit den Schriftsteller abschottet hinter einer nahezu undurchlässigen Wand.
Viktor Debnár












