Het beschrijf

at Passa Porta,

International House of Literature

Sigrid Bousset & Ilke Froyen

Antoine Dansaertstraat 46

1000 Brüssel

Belgien

Tel: +32 (0)2 223 68 32

Fax: +32 (0)2 217 26 08

»Ein Geist der Gastfreundschaft, Freundlichkeit und des Wissens (um Schriftsteller und wie sie arbeiten) herrscht vor. Alles in allem: ein sehr empfehlenswertes Modell. Ich hoffe, dass es viele Nachmacher findet – und ich hoffe, dass es lange weitergeführt wird.«

Die literarische Organisation Het beschrijf und die Flämische Gemeinschaft betreiben seit 2004 ein Writers-in-Residence-Programm. Internationale Schriftsteller können zwischen der Stadt und dem ländlichen Umland Brüssels auswählen: ein Studioapartment im Internationalen Literaturhaus Passa Porta im Herzen Brüssels oder ein wunderschönes Landhaus in der kleinen Gemeinde Vollezele. Die Länge des Aufenthalts variiert zwischen ein und zwei Monaten bis hin zu insgesamt 80 Wochen Gastfreundschaft.

 

Das Aufenthaltsprogramm ist ein Kernstück in Het beschrijfs literarischem Engagement. Die Schriftsteller des Programms können während ihres Aufenthalts in Passa Porta die literarische Bühne betreten oder Het beschrijfs großes Netzwerk von Autoren, Übersetzern und Feuilletonjournalisten bei Treffen, Arbeitsgruppen oder Workshops nutzen.

 

 


Der Brüsseler Literaturverein Het beschrijf hat seit seiner Gründung im Jahre 1998 Brücken gebaut – Brücken zwischen flämisch- und französischsprachigen Belgiern, flämischer und internationaler Literatur, Literatur und Gesellschaft sowie Literatur und anderen Künsten. Der Verein hat in Brüssel das Passa Porta Literaturfestival mit vielfältigen Aktivitäten an mehreren Orten ins Leben gerufen und somit für jede Kultursaison eine Plattform für Autoren und Künstler geschaffen.

In all diesen Initiativen spielt Brüssel, die komplexe und polyglotte Stadt, die Hauptrolle. Auf Grund ihrer unterschiedlichen Nationalitäten, ihrer Mehrsprachigkeit und Vielfalt ist Brüssel eine überaus aufgeschlossene Stadt, deren freies Spiel der Kulturen die Zukunft Europas und der Welt vorwegnimmt, indem sie sich mit ihrer Vielzahl an kulturellen Bezügen über die Grenzen von Sprache, Kultur und nationale Identität hinwegsetzt.

2004 hat Het beschrijf zwei neue Initiativen eingeführt: das Internationale Literaturzentrum Passa Porta im Herzen Brüssels und ein anspruchsvolles Residenzprogramm für Künstler. Zu Passa Porta gehören ein mehrsprachiger Buchladen, eine Literaturplattform, Büros für literarische Organisationen, Räume für Workshops und eine Wohnung. Das Anliegen ist, in der europäischen Hauptstadt, also in Brüssel, Türen zwischen verschiedenen Sprachen, Literaturen und Kulturen zu öffnen.

Die Wohnung in Passa Porta ist eine einzigartige, 90 Quadratmeter große Art-Deco-Wohnung mit Blick auf den pittoresken Alten Getreidemarkt, direkt im Herzen Brüssels, dessen Nachbarschaft durch seine zahlreichen Läden und Bistros besticht. Das Writers-in-Residence-Modell bietet Schriftstellern sowohl die Möglichkeit, sich zeitlich begrenzt in diesem pulsierenden Stadtteil, als auch in einem großartigen Landhaus in der friedlich-rustikalen Landschaft westlich von Brüssel niederzulassen. Zwei geschmackvolle Studiowohnungen – jede mit separatem Bad und Arbeitszimmer – sowie zwei Gruppenräume, ein Esszimmer, eine Küche und zwei Gästezimmer stehen den Schriftstellern zur Verfügung. Darüber hinaus ist der große Dachboden für literarische Zusammenkünfte gut geeignet. Das idyllische Bild des Hauses wird durch die Wälder und das romantische Außengelände mit Tieren und einem Obst- sowie Gemüsegarten abgerundet. Leckere Speisen, mit frischen Zutaten aus diesem arkadischen Garten zubereitet, werden am Abend serviert. Dieses Landhaus, die Villa Hellebosch, ist nur wenige hundert Meter von der Sprachgrenze zwischen Flandern und Wallonen entfernt.

Het beschrijf heißt im Jahr etwa 15 Autoren als Gäste willkommen, die entweder in der Passa Porta-Wohnung oder in der Villa Hellebosch residieren. Die Schriftsteller können wählen, ob sie in der pulsierenden Stadt oder in der arkadischen Landschaft wohnen wollen. Der Aufenthalt dauert zwischen vier und acht Wochen. Die Autoren können sich selbst für dieses Programm bewerben, doch ebenso oft lädt Het beschrijf Schriftsteller im Rahmen eines Austauschs- oder auf Empfehlung von Verlegern, Übersetzern, Universitäten, Botschaften u. a. ein. Doch nicht nur Autoren, sondern auch Übersetzern steht die Villa Hellebosch gemeinsam mit einem Autor, dessen Werk sie übersetzen, für kurze Aufenthalte offen.

Gastfreundschaft, Kreativität und Austausch – das sind die Grundlagen für unsere literarischen Residenzen. Die Autoren erhalten die Möglichkeit, fern von ihrem gewohnten Umfeld in vollkommener Ruhe an ihrem Manuskript zu arbeiten und ihre neue Umwelt in ihrem eigenen Tempo zu entdecken. Sie bekommen die Zeit, die sie brauchen, um sich auf die Arbeit an ihrem neuen Werk zu konzentrieren, wobei sie selbst die Balance zwischen kreativer Gestaltung und inspirierender Begegnung bestimmen können. Die Wohnsitze Passa Porta und Villa Hellebosch scheinen Autoren zu inspirieren und ihre Kreativität zu befördern, denn sie kehren oft mit weitaus mehr Material nach Hause zurück, als sie jemals zu hoffen gewagt hatten. Die Entscheidung, ihren Aufenthalt in Brüssel oder Flandern zu verbringen, knüpfen Autoren oftmals an die Recherche, die sie für ihr neues Werk über Politik, Kultur oder Geschichte oder Ähnliches betreiben wollen.

Die ständige Anwesenheit von Intellektuellen aus aller Welt bereichert das kulturelle Leben in Brüssel und Flandern. Ausländische Autoren kennen zu lernen, unser Land aus deren Perspektive zu sehen und sich darüber auszutauschen, das ist anregend und unterhaltsam zugleich. Daher bitten wir unsere Gastautoren, einen kurzen Essay über ihre Erlebnisse in und ihre Sicht auf Belgien, Flandern und Brüssel zu schreiben. Diese Essays werden auf der Website www.residencesinflanders.be und gelegentlich in belgischen Zeitungen veröffentlicht. Einige Gastautoren bekommen die Möglichkeit, sich durch das Passa Porta-Programm der Öffentlichkeit vorzustellen. Darüber hinaus gibt es bei regelmäßigen Treffen mit Kulturschaffenden und Kulturinteressierten in Brüssel einen belebenden Austausch. Dabei entdecken die Gastautoren auch die flämische Literatur, oft in Übersetzungen, und können so auch zu literarischen Mittlern in ihren eigenen Ländern werden.

Um einerseits den Austausch zwischen verschiedenen Ländern, Literaturen und Kulturen zu befördern und andererseits unseren eigenen Autoren die Möglichkeit zu geben, selbst inspirierende fremde Orten aufzusuchen, hat Het beschrijf verschiedene Austauschprogramme initiiert: Während wir Autoren aus Quebec, den Niederlanden, Estland, Kroatien und Wales aufnehmen, reisen flämische Autoren nach Montreal, Amsterdam, Käsmu, Dubrovnik und Aberystwyth. Der Besuch eines Autors dient letztlich dazu, sowohl die Literatur aus anderen Ländern kennen zu lernen als auch für künftigen kulturellen Austausch einen Rahmen zu schaffen.

Die europäische Literaturszene hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Festivals, Literaturvereine und -organisationen, Writer-in-Residence-Programme und andere kulturelle Initiativen sind entstanden und bieten Möglichkeiten für grenzübergreifenden Austausch und Kooperationen. Die Schaffung eines ebenso dynamischen wie inspirierenden Forums wie HALMA eröffnet großartige Perspektiven für Autoren und die Literatur all dieser unterschiedlichen Länder und Regionen. Etwas wirklich Spannendes, dem man optimistisch entgegenblicken kann.

Sigrid Bousset