Internationale Elias Canetti Gesellschaft

Prof. Dr. Penka Angelova

Ploshtad Svoboda 4,

7000 Rousse

Bulgarien

Tel: +359 (0)82 82 86 99

Elias Canetti
»Es soll die Wand nicht weggedacht werden, gegen die wir rennen.«

Die Internationale Elias Canetti Gesellschaft (IECG) wurde 1992 in Ruse (Bulgarien), der Geburtsstadt Elias Canettis, gegründet. Zu den zentralen Zielen gehören die Erforschung des Werkes von Canetti, die Förderung der europäischen Integrationsprozesse, sowie die Mitwirkung am Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen im postkommunistischen Bulgarien.

Im Geiste des Weltbürgers Canetti engagiert sich die IECG in den Bereichen Kulturvermittlung, kultureller Dialog, politische Bildung und Wissenschaft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Zusammenarbeit mit den Ländern des Donaukulturraumes. In Kooperation mit der Stadt Ruse wird jährlich der Elias Canetti Literaturpreis vergeben.

 

Die IECG verfügt über zwei Veranstaltungsorte: Im Elias Canetti Center befinden sich die Österreich-Bibliothek "Elias Canetti", das Büro der Elias Canetti Gesellschaft, Seminarräume sowie ein Ausstellungssaal. Das unsanierte Canetti-Haus entwickelt sich zunehmend zu einem Forum für Zeitgenössische Kunst, Performance und Musik.


Elias Canetti war ein Weltbürger par excellence. Schon früh erlebte er die Verwandtschaft der Kulturen und die Vielfalt ihrer Ausformungen. Er beschäftigte sich mit den Grundtrieben der menschlichen Entwicklung und schrieb historische Analysen zur Masse und Macht. Seine Biographie verbindet eine Vielzahl von Städten in Europa, die er alle als Heimaten und Grundstationen seiner geistigen Entwicklung beschreibt – durch deren Geist und Ohngeist er sich bildet. Dazu zählen Ruse, Manchester, Wien, Zürich, Frankfurt…

Elias Canetti ist zusammen mit Autoren wie Hermann Broch und Robert Musil einer der Begründer der Kulturwissenschaften in Europa und sowohl sein künstlerisches, wie auch sein theoretisches Werk schöpfen aus der Erkenntnis des Menschen und des Menschlichen, setzen das menschliche Leben als höchsten Wert und weisen die Richtlinien neuer Strukturen des Friedensdenkens. Mit seinem theoretischen Werk erschafft er einen Begriffsapparat, ein Instrumentarium, mit dem er „das Jahrhundert an der Gurgel” packen möchte, den Übeln von Macht und Herrschaft, von Krieg und Morden die Stirn zeigt.

Im Zuge der EU-Erweiterung und der damit verbundenen kulturellen Integration und Diversitätenerhaltung bekommt Canettis Werk eine immer vehementere Bedeutung für die Entwicklung einer Verantwortungsgesellschaft und die Diskussion um die Werte.

Die Internationale Elias Canetti Gesellschaft (IECG) wurde 1992 in Ruse, der Geburtsstadt Elias Canettis, gegründet. Zu den zentralen Zielen der Gesellschaft gehören die Erforschung des Werkes von Canetti, die Förderung der europäischen Integrationsprozesse, sowie die Mitwirkung am Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen im postkommunistischen Bulgarien. Die Tätigkeitsfelder der IECG umfassen mit ihren unterschiedlichen Ausrichtungen im Wesentlichen vier Bereiche: Kulturvermittlung, kultureller Dialog, politische Bildung und Wissenschaft. Die Gesellschaft gibt eine eigene Schriftenreihe (Röhrig Verlag, Deutschland), eine zweisprachige Zeitschrift für transdisziplinäre Kulturforschung, sowie weitere literarische Reihen in bulgarischer Sprache heraus.

Unter der Leitung der IECG wurde zum 100. Geburtstag des Nobelpreisträgers 2005 das Canetti Jahr organisiert. Seit 2005 besteht eine institutionelle Zusammenarbeit zwischen der IECG mit der Gemeinde- und der Regionalverwaltung: Instandhaltung einer "Österreich Bibliothek Elias Canetti" in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Republik Österreich; Einsetzung eines Kulturmanagers als Programmleiter der IECG in Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung; Verleihung eines „Nationalen Elias Canetti Preises für Literatur der Stadt Ruse”.

Im Jahr 2005 eröffnete im Stadtzentrum Ruses das Elias Canetti Zentrum, dessen Träger und Initiator die Internationale Elias Canetti Gesellschaft ist. Im Elias Canetti Zentrum befinden sich die Österreich-Bibliothek "Elias Canetti", Seminarräume sowie ein Ausstellungssaal. Die Räumlichkeiten werden zunehmend von lokalen und internationalen Initinativen, Jugendgruppen und Studierenden für ihre Veranstaltungen und internationalen Begegnungen genutzt.

Zukünftig plant die IECG im ehemaligen Geschäftshaus der Familie Canetti die Errichtung eines internationalen Kultur-, Wissenschafts- und Dokumentationszentrums. Um dieses Vorhaben zu realisieren, überließ der bulgarische Staat per Ministerratsbeschluss das Haus der Gesellschaft. Aufgrund ungeklärter Eigentumsverhältnisse und eines damit einhergehenden Rechtsstreites verzögert sich jedoch dessen Errichtung.

Das Haus wird dennoch als alternativer Veranstaltungsort genutzt und entwickelt sich zunehmend zu einem Forum für Zeitgenössische Kunst, Literatur und Performance.

Penka Angelova, Timo Köster


Der HALMA-Stipendiat Daniel Goetsch hat über seinen Aufenthalt im Elias Canetti Zentrum geschrieben. Sie finden seinen Essay in der Europäischen Bibliothek des HALMA-Netzwerks.